Warum NIEMAND Flugangst hat

Der Titel dieses Blogbeitrags ist provokant – ich weiß. Jedoch stimme ich dieser Aussage (fast) ganz zu. Mein Name ist Delia, ich bin 12 Jahre Flugbegleiterin gewesen und seit knapp 5 Jahren Flugangst Coach. Durch unzählige Flugangst Coachings, den Austausch mit meiner Facebook Flugangst Gruppe und den Recherchen zu meinen 2 Ratgeber-Büchern gegen Flugangst, haben sich immer dieselben Muster bei Betroffenen gezeigt und ich erkläre dir nun, warum niemand Flugangst hat.

TRIGGERWARNUNG: Dieser Text versucht ohne Schnörkel auf den Punkt zu bringen, warum Flugangst oder auch andere Ängste entstehen (könnten). Das unverblümte Beschreiben meiner Erfahrungen als Flugangst Coach (und auch selbst nicht angstfreier Mensch) soll kein Angriff auf die Gefühle und Erfahrungen einzelner Personen sein. Ich bin KEINE Psychologin und dieser Text ist NICHT wissenschaftlich fundiert. Ziel ist es einen Gedankenanstoß zu geben, der vielleicht hilft die Flugangst am Schopf zu packen.

Verstand versus Gefühle

Flugangst ist irrational. Das bedeutet, dass die Angst vor dem Fliegen unproportional groß gegenüber der tatsächlichen Gefahr ist. Du hast schon oft gehört, dass das Fliegen das sicherste Verkehrsmittel ist, hast aber trotzdem mit Angst oder sogar Panik zu tun, wenn du in ein Flugzeug einsteigen willst/musst.

Somit widerspricht sich dein logischer Verstand mit deinen Gefühlen. Rational weißt du, dass täglich viele Menschen mit dem Flugzeug sicher ihre Destination erreichen. Im Jahr 2022 waren es knapp 73 Millionen Menschen. Doch gefühlsmäßig kommen beim Gedanken ans Fliegen dir Dinge in den Kopf wie: “Fliegen ist zwar sicher, aber was wenn GENAU ICH ein Unglück erlebe?”

Ich bin zwar keine Psychologin, aber aus meiner Sicht als Flugangst Coach würde ich diese Gedanken als Zwangsgedanken einstufen. Es gibt zwar nicht wenige Menschen, die generell etwas ängstlicher sind als andere, aber es gibt auch viele Menschen die hauptsächlich nur beim Fliegen an Horror-Szenarien denken – obwohl sie in den meisten Fällen nicht mal eine schlechte Erfahrung beim Fliegen gemacht haben.

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Aber warum ist gerade das sicherste Verkehrsmittel oftmals der Auslöser für Angst und Panik?

Menschen sind (skeptische) “Fußgänger”

Offensichtlich sind wir Menschen nicht mit Flügeln geboren und somit sind Höhen für uns grundsätzlich eine Gefahr. Dem Fliegen gegenüber skeptisch zu sein, ist also sogar ziemlich natürlich. Auch können wir uns als Laien ohne Recherchen nicht genau erklären, wie so ein tonnenschweres Gerät abheben und in der Luft bleiben kann.

Und genau diese “Unwissenheit” nutzt das Unterbewusstsein eines Flugangst Betroffenen aus: Die Höhe ist für uns instinktiv eine Gefahr und die technische Unwissenheit ist meist nur der Anfang der sogenannten “Aviophobie” (Flugangst). Hinzu kommen oft die Angst vor Kontrollabgabe (an die Piloten und Crew), Platzangst, Angst vor Turbulenzen, Angst vor Übelkeit, und so weiter – die Liste kann lang werden.

Gefühle werden meist unterdrückt

Das Unterbewusstsein nimmt sich also dankbar das Fliegen als Kanal für ängstliche Gefühle. Denn jeder von uns trägt sein Päckchen an Stress, Traumata und Belastungen durch die Welt – aber selten bis nie können wir unseren Gefühlen freien Lauf lassen.

Im Job müssen wir nett und freundlich agieren, auch wenn die Chefetage oder Kollegen uns zur Weißglut bringen können; als Eltern müssen wir die starken Superhelden spielen und können nicht “Pause machen”, wenn wir es eigentlich bräuchten; in Partnerschaften müssen wir auch Kompromisse eingehen und so weiter und so fort.

Doch unterdrückte Gefühle vervielfachen sich meist wenn man sie lange verdrängt und so brauchen sie einen Auslass. Fliegen ist durch die Höhe instinktiv gefährlich, man kennt sich mit der Technik und den Abläufen im Hintergrund nicht aus und man hat keinen Gewöhnungseffekt, da man es nicht täglich tut – die perfekte Grundlage das Flugzeug als “Buhmann” für eigene innere Unausgeglichenheit zu nehmen.

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Kontrollverlust und die Angst vor der Angst

Ist man erstmal von übertriebener Skepsis gegenüber dem Fliegen betroffen, entwickeln Flugangst Betroffene nicht nur Angst davor, dass ihnen ein Unfall passiert, sondern sie bekommen oft im Vorfeld Angst davor, sich ängstlich zu fühlen (Kontrollverlust der eigenen Gedanken).

Sie müssen also nicht nur damit umgehen, dass sie keine Kontrolle über das Flugzeug haben, sondern sogar auch über ihre eigenen Gefühle. Die Zwangsgedanken drehen sich im Kreis und jedes Geräusch und jede Veränderung im Flugzeug wird (negativ) bewertet.

Da wir im alltäglichen Leben selten in Situationen sind, die uns (begründet) beängstigen, sind wir Menschen es nicht mehr gewohnt mit Angst umzugehen. Kinder schaffen es meist viel schneller mit Angst umzugehen, da sie ihre Gefühle noch nicht so verdrängen wie Erwachsene und ihre Eltern / Vertrauenspersonen haben, die sie beruhigen.

Erwachsene müssen ihre Gefühle selbst regulieren, obwohl es eigentlich das innere Kind in einem ist, was da nach Hilfe ruft bei (irrationalen) Angstzuständen. Fängt das Herz an zu rasen und die Hände zu schwitzen, wird die Angst groß, komplett die Kontrolle über die eigenen Gedanken und vor allem über den Körper zu verlieren.

Hier ist auch der Punkt, ob es zu einer Panikattacke kommt, oder nicht. Fürchtet sich der Flugangst Betroffene vor seinen körperlichen Reaktionen auf die Angst (Herzrasen, Schwitzen, Tunnelgedanken), und steigert sich hinein, kann es zur Panikattacke kommen.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, sollte man sich immer wieder im Kopf sagen, dass diese aufgeregte Situation sich bald wieder legen wird und dass das Herzrasen (bei körperlich gesunden Menschen) ungefährlich ist.

Schau dir gerne mein Video zum Thema “Panikattacke im Flugzeug vermeiden” an:

Der “Spotlight Effekt”

Wie zuvor schon erwähnt, wissen Flugangst Betroffene zwar, dass das Fliegen sicher ist, denken sich aber, dass es ja schon Unglücke gab und dass es wenn genau sie treffen wird. Sie finden es zumindest teilweise realistisch, dass genau sie einen spektakulären Tod im Flugzeug erleben werden, obwohl sie wissen, wie extremst unwahrscheinlich das Ganze ist.

Der “Spotlight Effekt” (Rampenlicht Effekt) kommt aus dem sozialpsychologischem Bereich und erklärt prinzipiell, wie wir Menschen uns meist falsch in der Wichtigkeit der Wahrnehmung anderer einstufen. Das soll heißen, dass sich eigentlich jeder von uns so fühlt, als sei er im Zentrum der Aufmerksamkeit anderer, speziell wenn wir negativ auffallen könnten. Dabei vergessen wir, dass sich jeder in diesem Rampenlicht gefühlt befindet und somit am Ende ja keiner wahrhaftig im Spotlight steht. Jeder ist sich  letztendlich selbst am wichtigsten.

Den “Spotlight Effekt” erwähne ich in diesen Blogbeitrag aus zwei Gründen: Die Vorstellung der oder die “Auserwählte” zu sein, die namentlich in der Presse erwähnt wird, weil sie in einem tragischen Flugunglück gestorben ist (Massenkarambolagen mit vielen Toten auf Autobahnen sind so häufig, dass Namen meist nicht erwähnt werden) und in Bezug auf die Angst vor einer Panikattacke im Flugzeug mit Menschen um einen herum.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass wir ziemlich wahrscheinlich diese Welt relativ unspektakulär verlassen werden. Bezüglich der Panikattacke im Flugzeug, haben Flugängstler Angst davor durch die Attacke zum Zentrum der Aufmerksamkeit der anderen Fluggäste zu werden und sich zu blamieren.

Dabei ist es oft so, dass sich Fluggäste als “Community” während der Fluges fühlen und dann oft sehr empathisch unterstützen – gerade bei Flugangst Betroffenen. Und selbst falls der halbe Flieger dann zu dem “Patienten” glotzt, wird neimand deinen Namen noch dein Aussehen nennen, wenn die Geschichte jemand anderen erzählt wird. Es war halt einfach eine Frau /ein Mann aus dem Flug nach xyz.

Angst kann süchtig machen

Klar, normalerweise steht niemand auf das Gefühl der Angst und versucht die beängstigenden Situationen zu vermeiden. Es ist das Einfachste sich zu sagen “Ich habe Flugangst und fahre deshalb nur mit der Bahn /mit dem Auto in den Urlaub”. Ist dem so, verschließen die Betroffenen ihre Augen vor dem was eigentlich hinter der Flugangst steckt und verschließen damit gleichzeitig den “Kanal der inneren unterdrückten Gefühle”.

So ist der Betroffene unterbewusst ganz froh seine inneren Ungereimtheiten unter dem Deckmantel Flugangst abzulegen. Fliegt der Flugängstler trotzdem und steigert sich immer wieder in die negativen Zwangsgedanken und Gefühle, ohne sich um Besserung zu kümmern, liegt die Vermutung nahe, dass die betroffene Person diesen Schmerz gerne spürt – um sich wahrscheinlich von anderen “Problemen” abzulenken.

So werden oftmals die Ängste eher noch vervielfacht und das Fliegen bleibt nicht die einzige Phobie.

Und darum hat niemand Flugangst

In diesem Beitrag habe ich nicht den Fokus darauf gelegt, Tipps zu geben, wie man die Flugangst überwinden kann, sondern habe prinzipiell versucht den Kern des Problems anzusprechen. Denn wenn man seine unterbewussten Strategien erkennt, ist es der erste Schritt zur Bewältigung des sichtbaren Problems – die Flugangst.

In 5 Jahren als Flugangst Coach habe ich nämlich tatsächlich nur mit einer einzigen Person gesprochen, die ein “echtes” Negativerlebnis an Bord hatte. Versteh mich bitte nicht falsch, wenn jemand starke Turbulenzen erlebt hat, wird vielleicht auch traumatisiert sein, aber sowas ist keine echte Gefahr für das Flugzeug. Die Person hat einen schnellen Druckabfall im Flugzeug erlebt, aber letztendlich ist das Flugzeug sicher gelandet. Ich habe als Flugbegleiterin noch nie eine brenzlige Situation erlebt.

Alle anderen Klienten entwickelten Flugangst mit den oben genannten psychischen Zusammenhängen und ich hoffe mit diesem Beitrag dir helfen zu können, die Flugangst am Kern zu packen. Ich hoffe, dass ist mir ein wenig gelungen ist,  dir zu zeigen, dass niemand wirklich Flugangst hat.

Always happy landings,

Deine Delia

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