Flugbegleiter Leben – ein typischer Arbeitstag auf Langstrecke

Das Flugbegleiter Leben ist nicht vergleichbar mit den meisten anderen Jobs und es ranken sich auch viele Mythen und Klischees um den Beruf. Ich selbst bin seit 10 Jahren Flugbegleiterin bei einer großen deutschen Airline und erzähle dir heute mal den Ablauf eines typischen Arbeitstags auf einem Langstreckenflug. 

Flugbegleiter Leben – Vor dem Flug

Ein besonders großer Vorteil des Flugbegleiter Lebens ist, dass man nicht gezwungen ist in der Stadt seiner Base zu wohnen. In meinem Fall ist es so, dass ich in Berlin wohne, jedoch aus Frankfurt am Main abfliege. (Ich kenne auch Kollegen, die in anderen europäischen Ländern leben, oder sogar aus New York „shutteln“ um zur Arbeit nach FRA zu kommen. 

Das bedeutet für mich, dass ich erst einmal von Berlin nach Frankfurt fliege, um dort dann zur Arbeit anzutreten. Gehen wir davon aus, dass der Langstreckenflug uns heute nach Singapur bringt. Der Flug geht erst gegen 22 Uhr los und so habe ich bequem Zeit, am selben Tag von Berlin nach Frankfurt zu fliegen. 

Ich checke also die Buchungszahlen der Flüge nach FRA, denn meistens fliege ich auf „Standby-Rate“. Das bedeutet, dass ich sehr vergünstigt mitfliegen kann, wenn denn noch Sitzplätze vorhanden sind.

Mein Koffer ist eigentlich immer zum großen Teil schon gepackt – Kosmetik und Ähnliches habe ich doppelt und ein Teil davon verbleibt immer im Koffer. Den Koffer packe ich also ziemlich schnell, da man im warmen Singapur eh nicht viel Textil braucht. 

Sitzt die Frisur und stimmt das Make Up, schwinge ich mich in meine Uniform, und fliege von Berlin Tegel (solang es ihn noch gibt) nach Frankfurt. 

Flugbegleiter Leben – Auf der Crew Basis

In FRA angekommen gehe ich vom Terminal rüber zur Crew Basis, die für die Cockpit und Kabinenmitglieder der erste Teil des Arbeitstages ist. Über mein Arbeits-Ipad checke ich mich ein, damit die Crew für den heutigen Flug sehen kann, dass ich mich schon auf der Basis befinde. Dann hole ich mir noch einen Snack oder Kaffee und schaue mir die Flugdaten an: Buchungszahlen, wie viele Sonderessen bestellt wurden, ob es Rollstuhlfahrer auf dem Flug gibt und so weiter. 

Ca. anderthalb Stunden vor dem Abflug trifft sich dann die Crew im Briefingraum. Dort stellen wir uns gegenseitig vor, denn bei über 20.000 Kollegen kennt man die meisten Kollegen noch gar nicht. Im Briefing werden dann die Flugdaten besprochen und wir gehen Szenarien durch, die auf dem Flug passieren könnten: Was ist zu tun wenn ein Fluggast zu einem medizinischen Notfall wird und wie verhalten wir uns bei sicherheitsrelevanten Aufgaben und Notfällen.

Außerdem werden die Arbeitspositionen nach Firmenzugehörigkeit verteilt: Wer am längsten schon dabei ist, darf sich die Arbeitsposition zuerst aussuchen.

Ein wenig später kommen dann auch die Cockpit-Kollegen in den Briefingraum, die mit uns dann neben sicherheitsrelevanten Dingen auch die Flugroute erklären und sie sagen uns, wann oder ob mit Turbulenzen zu rechnen ist.

Lies auch: Sind Turbulenzen gefährlich?

Ist alles besprochen, holen wir unsere Koffer und gehen durch die Crew Sicherheitskontrolle. Dahinter warten dann Busse, die uns direkt zum Flugzeug bringen.

Flugbegleiter Leben – Im Flugzeug am Boden

Jetzt fängt die „richtige“ Arbeit an. Die Piloten gehen ins Cockpit um dort die Computer etc. zu checken und die Kabinen-Crew arbeitet Checklisten ab, welche das sicherheitsrelevante Equipment an Bord beinhaltet und wir suchen das Flugzeug nach Dingen ab, die dort nichts zu suchen haben. Dann zählen wir noch schnell nach, ob die Essens-Beladung zu den Buchungszahlen passt und schon kommen die ersten Fluggäste an Bord.

Sobald der erste Gast das Flugzeug betritt, müssen wir Flugbegleiter an unseren zugewiesenen Flugzeug-Türen stehen. Da Grund dafür ist, dass es selbst beim Boarding (unwahrscheinlicherweise) zu einer Evakuierung des Flugzeugs kommen kann und wir dann schnellstmöglich die Flugzeugtüren öffnen könnten.

Je nach Flugzeugmuster kann sich das Boarding auch ziemlich lang ziehen. Auf einem A380 kann es bis zu einer Stunde dauern, bis alle Fluggäste zu ihrem Platz gefunden haben, oder mit unserer Hilfe sich umsetzen. So kann das Boarding auch schon ziemlich anstrengend werden, wenn auf einem voll ausgebuchten Flug Familien zusammengesetzt werden müssen, weil sie beim Einchecken keine zusammenliegenden Plätze mehr bekommen haben – das reinste Tetris Spiel und es gibt viele Fluggäste, die sich einfach nicht umsetzen möchten um anderen einen Gefallen zu tun.

Sitzen alle, checken wir, ob die Gäste angeschnallt sind, schauen dass die Notausgänge frei von Gepäck sind, schließen alle Kofferablagen, verknebeln alle Trolleys in den Bordküchen, setzten uns auf unsere Flugbegleiter Sitze und melden dem Purser (Kabinenchef) unseren Bereich als „klar“ und abflugbereit. Sind alle Bereiche klar gemeldet, wird das Cockpit informiert und es kann los gehen. 

 – Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon seit 7 Stunden unterwegs. –

Flugbegleiter Leben

Flugbegleiter Leben – Im Reiseflug

Sobald die Anschnallzeichen von den Piloten ausgestellt werden, springen wir auf, ziehen uns bequemere Schuhe an und beginnen mit den Vorbereitungen in den Bordküchen. Der Service ist in jeder Reiseklasse anders: In der Economy-Class werden Tabletts verteilt und es gibt meist eine Auswahl an warmen Essen. 

Tipp: Je weiter weg du von den Bordküchen sitzt, umso eher hast du eine Auswahl an Essen. Es wird immer in Richtung Küche gearbeitet und am Ende gibt es nur noch das Essen, was von den anderen Fluggästen nicht genommen wurde. 

In der Business-Class ist der Service viel individueller und statt normaler Tabletts gibt es weiße Tischdecken, richtiges Besteck und die Fluggäste bekommen soweit es geht genau die Auswahl an Essen, die sie haben möchten.

Ich arbeite am liebsten in der Economy-Class, da da die Stimmung etwas lockerer ist und ich auch gerne mich um Familien und Kinder kümmere. In der Business- und First Class sitzen meist Geschäftsleute. In der First Class können nur Kollegen arbeiten, die ein einwöchiges Training absolviert haben, um den high end Service bieten zu können.

Nachdem jeder Fluggast gegessen und getrunken hat, alles wieder eingesammelt worden ist und die Küchen wieder schick aussehen, sowie der Bordverkauf erledigt wurde, können gut 3 Stunden vergehen. Sobald alle Klassen mit dem Service fertig sind, versammeln wir uns Bereichsweise in den Küchen und essen nun auch etwas. 

Wir Flugbegleiter quatschen, lernen uns kennen und planen ggf. gemeinsame Ausflüge in Singapur. Sobald auch die Crew satt ist, teilt der Purser die Ruhezeiten ein: Zuerst geht die erste Hälfte der FB´s (Flugbegleiter) in die Crewbetten und danach die anderen, so dass immer Personal für die Fluggäste ansprechbar ist. 

Die Crewbetten liegen bei den Airbus Flugzeugen (ich fliege nur Airbus) alle unterhalb der Kabine und es gibt dort Etagenbetten. Frische Bettwäsche wird schon in FRA beladen, welche wir dann auf die Betten ziehen und schlafen auch ungefähr 3 Stunden, bis die anderen uns wecken.  

Da der Singapur Flug ein Nachtflug ist, wird kein richtiger Zwischenservice gemacht, sondern es werden Snacks in der Küche ausgestellt und die FB´s laufen alle halbe Stunde mit Wasser- und Safttabletts durch die dunkle Kabine, in der die meisten Gäste schlafen. 

Sobald dann auch die zweite Hälfte der Crew ihre 3 Stunden schlaf bekommen hat, beginnt der zweite Service, dieses mal Frühstück. Es ist manchmal schon ziemlich hart, nur 3 Stunden zu schlafen, dann im Tiefschlaf geweckt zu werden und 15 Minuten später wieder lächelnd den zweiten Service zu machen, aber man gewöhnt sich daran.

– Zu diesem Zeitpunkt bin ich schon 17 Stunden unterwegs.-

Flugbegleiter Leben

Flugbegleiter Leben – Nach der Landung

Nach dem zweiten Service ist die Landung nach ca. 12 Stunden Flug nun auch endlich in Sicht. Alle Trolleys in den Küchen werden für die Landung wieder verknebelt, Boxen und Wagen mit alkoholischen Getränken werden wegen Zollbestimmungen mit mit Plomben versehen. Wir checken, dass die Fluggäste angeschnallt sind und dass Koffer ordnungsgemäß verstaut sind, setzen uns auf die FB Sitze und melden unseren jeweiligen Bereich wieder zur Landung klar.

Wir landen in Singapur und verabschieden die Gäste wieder an unseren jeweiligen Türen. Auch das Aussteigen kann sich ziemlich in die länge ziehen. Einige Gäste gehen noch einmal auf die Toilette, oder es werden noch die Habseligkeiten zusammengesucht.

Ist der letzte Gast von Bord gegangen macht der Purser die Durchsage, dass alle Gäste weg sind und wir können dann auch unsere Türbereiche verlassen, unserer Sachen schnappen und gemeinsam als Crew Richtung Einreisebereich gehen. Meist haben Flughäfen Einreise-Bereiche für Crews und Diplomaten. Praktischerweise kriegen Crew Mitglieder meist keinen Stempel in den Pass; er wäre nach ein paar Monaten ja schon komplett voll.

Sind alle eingereist können wir endlich Richtung Crew Bus gehen, der uns dann ins Hotel fährt, wo wir auch nach einer knappen dreiviertel Stunde endlich ankommen.

 – Nach ca. 22 Stunden unterwegs sein, kann ich nun endlich meine Uniform in den Hotel Schrank hängen, und eine kurze Dusche nehmen.-

Der Feierabend beginnt. In Deutschland ist es ungefähr 13 Uhr und in Singapur schon 19 Uhr. Also eigentlich noch ein wenig zu früh, um direkt schlafen zu gehen. Also gönne ich mir in Hotelnähe eine Fußmassage bei der ich ein wenig döse, hole mir danach etwas zu essen und trinke ein Glas Feierabend-Wein, bevor ich mich in das mega kuschelige 5 Sterne Hotel Bett fallen lasse und richtig tief einschlafe.

– Nach ungefähr 26 Stunden auf den Beinen und 30 Stunden wach sein. –

Das ist ein typischer Tag im Flugbegleiter Leben auf der Langstrecke

Ich hoffe, dass dir dieser kleine Einblick in einen typischen Langstreckenflug gefallen hat. 🙂

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2 Comments

  • Posted 2 Tagen ago 12:15
    by Julia

    Ein toller Bericht! Mir war das so gar nicht klar, wie lange eure Arbeitstage sind. Liebe Grüße julia

    • Posted 2 Tagen ago 12:40
      by Delia Wings

      Danke für das Kompliment 🙂 LG Delia

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