Flugbegleiter Klischees aufgedeckt – die 9 beliebtesten Fragen

Kaum ein anderer Job ist mehr klischeebeladen, als der eines Flugbegleiters. Die ein oder andere folgende Frage hast du dir vielleicht schon selbst gestellt. Da ich selbst seit mehr als 8 Jahren Stewardess bin, habe ich jede der neun Fragen gefühlt 1000 mal gestellt bekommen. Umso eher freut es mich, mit den größten Flugbegleiter Klischees aufzuräumen!

Flugbegleiter Klischees – „Läuft da was…?“

Flugbegleiter Klischees werden aufgedeckt
Flugbegleiter Klischees

Du konntest es dir wahrscheinlich schon denken: Die meist gestellte Frage und das größte Klischee ist, ob die Stewardessen „immer“ was mit den männlichen Kollegen aus dem Cockpit haben. By the way – es gibt auch weibliche Pilotinnen und männliche Flugbegleiter 😉 Und die Antwort lautet: Nein und ja. Wie im „echten“ Leben treffen viele Menschen (beruflich) aufeinander. Viele dieser Begegnungen entwickeln sich zu festen Beziehungen oder sogar Ehen. Ich selbst bin daran nicht interessiert, da flirten am Arbeitsplatz für mich nichts ist. Jedoch gibt es bestimmt auch mal kurzweilige und zwanglose „tête-à-tête´s“, von denen ich aber selten bis nie von mitbekomme. 

Flugbegleiter Klischees – „Können Flugbegleiter eine (gesunde) Beziehung führen?“

Ganz oft wird mir die Frage gestellt, ob ich als Stewardess arbeiten kann und gleichzeitig eine gesunde Beziehung führen kann. Diese Frage entsteht aus der Vorstellung heraus, dass Flugbegleiter so gut wie nie zu Hause sind und somit bestimmt keine Zeit für einen Partner haben. Ich kann jedoch sagen, dass ich sehr wohl eine gute Beziehung führen kann, da ich genug freie Tage habe. Zumindest bei meiner Airline ist es so, dass ich selbst bei einer Vollzeitstelle die Hälfte des Monats frei habe, während in anderen Jobs 5 Tage die Woche gearbeitet werden muss. 

Ein weiterer Zweifel zur „Beziehungs-Fähigkeit“ ist die Frage des Vertrauens. Denn oft genug höre ich das Klischee, dass Flugbegleiter „in jeder Stadt ´ne(n) andere(n)“ haben. Was mit Sicherheit zu 99,9% nicht der Fall ist. Der Partner eines Flugbegleiters sollte (auf Grund der räumlichen Trennung) schon ein gesundes Maß an Vertrauen haben, wie in jeder anderen Konstellation auch.

Flugbegleiter Klischees – „Was ist das Flugbegleiter Gehalt?“

Flugbegleiter Klischees : "Was ist das Flugbegleiter Gehalt?
Flugbegleiter Klischees

Weißt du, was mich wirklich sehr wundert? Seitdem ich als Stewardess arbeite, werde ich ständig gefragt, was ich so verdiene. Eigentlich ist die Frage nach dem Verdienst zumindest in Deutschland sehr verpönt und gilt als sehr private Information. Aber seitdem ich fliege, wird mir die Frage nach meinem Gehalt ständig gestellt; und das auch von Menschen, die ich kaum kenne. 

Also gehe ich davon aus, dass das Interesse am Gehalt eines Flugbegleiters so groß ist, dass die Schamgrenze bei dem Thema einfach sinkt. Hier also meine wahrscheinlich unbefriedigende Antwort: Es kommt drauf an:

  • bei welcher Airline man angestellt ist
  • ob man Vollzeit oder Teilzeit fliegt
  • ob man einen „alten“ oder neueren Vertrag hat
  • wie lange man schon bei der Airline ist (Gehaltserhöhungen)
  • ob man einen höheren Rang hat (Kabinenchef)
  • individuelle Steuerabgaben, bzw. Vorzüge
  • ob (geldwerte) Vorteile von der Airline zur Verfügung gestellt werden
  • in welchem Land die Airline ihren Hauptsitz hat
  • einiges mehr, was hier den Rahmen sprengt

Mein persönliches Gehalt möchte ich natürlich ungern verraten. Ich kann dir aber sagen, dass es Flugbegleiter gibt, die für sehr wenig Geld arbeiten und auch solche, die mit ca. 5000€ in der Hand ein sehr gutes Auskommen haben. Letztere Summe bezieht sich jedoch auf die Kollegen, die schon seit Jahrzehnten als Kabinenchefs bei „Premium“-Airlines angestellt sind.

Flugbegleiter Klischees – „Sieht man überhaupt was von der Welt?

Ganz oft werde ich gefragt, ob ich als Flugbegleiter überhaupt genug Zeit an einem Ort habe, um Sightseeing-Touren zu machen und die Kultur zu entdecken. Hier kommt es darauf an, wie weit die Destination entfernt ist. Auf der Kurzstrecke innerhalb Deutschlands und Europa ist die Mindest-Aufenthaltsdauer 12 Stunden, von denen ich persönlich gerne 8 Stunden schlafe. Manchmal hat man Glück und man hat sogar 24 Stunden in einer europäischen Stadt. Das reicht um sich ein wenig umzuschauen.

Weit entfernte Orte wie Singapur oder Johannesburg in Südafrika kann ich innerhalb von gut 2 freien Tagen erkunden. Je öfter man zur selben Destination kommt, umso besser kennt man sie, da man jedes mal etwas neues anschauen und machen kann. Also ja, man kann viel von der Welt sehen, wenn die Airline Orte anfliegt, bei denen man übernachten muss. Bis dato habe ich schon sehr viel gesehen, aber es gibt noch einiges, was auf meiner Liste steht.

Flugbegleiter Klischees – „Was ist das Schlimmste, was dir an Bord passiert ist?“

Wenn mir jemand diese Frage stellt (was oft vorkommt), dann wirkt es immer so, als ob sie jetzt eine Story von einem dramatischen „Fast-Absturz“ erwarten. Das könnte auch einfach daran liegen, dass sich bis zu 80% aller Menschen sich an Bord eines Flugzeugs nicht wohl fühlen, oder sogar richtige Flugangst haben. Mir ist jedoch in 8 Jahren nichts passiert, wo ich mir Sorgen um mein Leben machen musste.

Natürlich habe ich schon starke Turbulenzen erlebt, oder Fluggäste die kollabiert sind, oder auch Gäste, die mich oder andere verbal attackiert haben. Aber nichts davon war lebensgefährlich für die Gäste oder mich. 

Das Schlimmste für mich ist es, wenn ich die persönlichen traurigen Geschichten von manchen Fluggästen höre. Irgendwie hat die Fliegerei so ein Phänomen, dass viele Fluggäste den Flugbegleitern ihre persönlichen Schicksale erzählen. Wahrscheinlich weil ein Flugzeug eine eigene kleine Welt für sich ist. Wenn mir ein Fluggast unter Tränen erzählt, dass er zu einer Beerdigung fliegt, oder wenn ein Geflüchteter des Landes wieder ausgewiesen wird und ihn im Heimatland die Hölle erwartet, dann berührt mich sowas sehr.

Flugbegleiter Klischees – „Fliegt ihr gleich wieder zurück?“

Auf der Kurzstrecke innerhalb Europas ist es normal, dass wir meist direkt wieder zum Home-Base-Flughafen zurückfliegen, es sei denn, dass wir vor Ort übernachten, weil wir schon einige Flüge an dem Tag erledigt haben. Jedoch kommt die Frage nach einem sehr langen interkontinental-Flug auch nicht selten vor, ob wir direkt wieder zurück nach Deutschland fliegen.

Die Crew trifft sich ca. zwei Stunden vor Abflug zu einem sogenannten Briefing, um alles (sicherheitsrelevante) vor dem Flug zu besprechen und sich kennen zu lernen. Wenn dann endlich alle Gäste eingestiegen sind und der Flieger den Boden verlässt und bis alle Gäste nach dem Flug wieder ausgestiegen sind, haben wir schon bis zu 15 Stunden gearbeitet. Kaum vorstellbar, dass wir gleich zurück fliegen können. Aber gefragt wird es trotzdem 🙂

Flugbegleiter Klischees – „Ihr seid ja nur Kellner der Lüfte“ 

Flugbegleiter Klischees - "Ihr seid ja nur Kellner der Lüfte"
Flugbegleiter Klischees

Erstens: Kellner machen einen sehr harten Job und müssen immer freundlich bleiben. (Ich ziehe meinen Hut davor!) Soviel haben wir auch gemeinsam und natürlich die Verköstigung der Fluggäste. Jedoch sind wir aus einem einzigen Grund an Bord jedes Passagierflugzeugs: Um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.

„Kellnern“ tun wir eigentlich nur nebenbei, wenn alle sicherheitsrelevanten Aufgaben erledigt worden sind. Flugbegleiter sind extrem gut auf jede mögliche Situation geschult und trainiert. Unseren Arbeitsplatz gibt es noch, weil international geltende Gesetze das vorschreiben. Wer weiß, vielleicht hätte sich sonst eine „Billig“-Airline schon mal überlegt lieber Getränkeautomaten aufzustellen 😉

Flugbegleiter Klischees – „Sind Flugbegleiter immer jetlagged?“

Hmm, jein. Es stimmt schon, dass wir in diesem Beruf viel mit Müdigkeit zu tun haben, aufgrund der ständigen Zeitzonen Wechsel und Nachtflügen. Dafür haben wir aber auch nach einem langen interkontinentalen Flug einige Tage wieder frei, um uns zu erholen. Ich persönlich genieße es sogar mal in den USA lange schlafen zu können, weil dort der Tag viel später beginnt, als in Deutschland. Aufenthalte in Japan finde ich persönlich am heftigsten, weil dort Tag ist wenn hier Nacht ist. So schnell kann man sich da nicht dran gewöhnen, bevor es schon wieder zurück geht.

Flugbegleiter Klischees – „Was ist das Schönste an dem Beruf?“

Das Reisen in fremde Länder und dafür noch bezahlt zu werden ist bestimmt für alle Flugbegleiter das Tollste. Was diesen Beruf aber wirklich besonders macht, sind die Kollegen. In keiner anderen Branche (meines Wissens nach) gibt es so viele herzliche und offene Menschen, wie in der Fliegerei. Wir sind als Crew immer ein Team, auch wenn wir noch nie zuvor geflogen sind und uns nicht kennen. Ich habe schon so viele tolle Kollegen und auch Fluggäste kennen gelernt und habe einige meine besten Freunde „in der Luft“ getroffen. Der Traum vom Fliegen ist mein Traumberuf 🙂

Danke für´s Lesen!

Wenn dir mein Blogbeitrag gefallen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn du mir einen Kommentar schreibst oder den Beitrag teilst. (Teilen-Knöpfe direkt unter dem Beitrag)  Schreibe mir auch gerne in die Kommentare, falls dir noch ein Klischee einfällt!

Always happy landings,

Deine Delia

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2 Comments

  • Posted 04/11/2018 09:43
    by Victoria

    Toller Beitrag und total spannend! Ich fang im Januar mit der Fliegerei an und kann es kaum erwarten 😍

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