Flugangst Erfahrungen einer Mutter und Bloggerin

Unwohlsein und Flugangst betrifft bis zu 80% aller Fluggäste in einem Flugzeug – das habe ich in knapp zehn Jahren als Stewardess oft genug mitbekommen und habe unzählige Male die Reisenden beruhigt. Die Reihe „Flugangst Erfahrungen“ habe ich ins Leben gerufen, damit du als Leser erkennst, dass Flugangst ein sehr verbreitetes Phänomen ist, aber dass man auch dagegen etwas tun kann.

In meiner Facebook Gruppe „Flugangst überwinden – Tipps und Antworten einer Stewardess“ habe ich die Mitglieder gefragt, wer Interesse daran hat, seine persönlichen Erfahrungen niederzuschreiben. Teil 3 der persönlichen Geschichten von Flugangst Betroffenen handelt von den Flugangst Erfahrungen einer Mutter und Bloggerin:

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Moni’s Geschichte

Im Juli 2005 bin ich mit 19 das erste Mal geflogen. Bereits vor dem Flug war mir schon klar, dass es mich davor gruseln wird.

Mittlerweile bin ich 33 Jahre alt und bestimmt 60 mal geflogen. Meine Flugangst habe ich im Griff. Natürlich habe ich immer noch Respekt vorm Fliegen. Besonders jetzt wo ich Mutter bin, verfalle ich manchmal in alte Muster zurück. Mein aktueller Flugangststand: Der Start berührt mich gar nicht mehr. Landung ist eh nie ein Problem gewesen. Kurz- und Mittelstrecke sind völlig easy und ich fliege sogar alleine, was früher gar nicht denkbar gewesen wäre.
Lediglich Langstrecke ist immer noch mit viel Respekt verbunden, aber ich fliege.

Auf dem Weg dahin habe ich viel unternommen um dieses schreckliche Gefühl der Hilflosigkeit loszuwerden.

Allein der Weg vom Gate über die Fluggastbrücke ins Flugzeug fühlte sich für mich immer an wie „der letzte Weg in meinem Leben“. Total übertrieben für Menschen, die keine Angst vor dem Fliegen haben.
Als nächste Etappe galt es immer irgendwie den Start auszuhalten. Ich empfand das als schlimmsten Part am Fliegen neben intensiven Turbulenzen, die ja nicht immer vorkommen.

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So begann die Flugangst

Ich erinnere mich an einem Startvorgang von Barcelona nach Düsseldorf. Das Flugzeug war gefühlt auf halber Höhe und verlor gravierend an Höhe und sackte ruckartig ab.
Das bestätigte meine Angst umso mehr, dass ein Flugzeug den Startvorgang nicht immer schaffen kann. Vorab möchte ich sagen: Das ist völliger Quatsch!

Auf einem Flug von Los Angeles nach Atlanta gerieten wir nicht IN einen Wirbelsturm, aber in die Nähe eines Wirbelsturms. Das Flugzeug rummste auf und ab wie ein Flummi. Ich war so überzeugt, dass es gleich einfach runter saust. Mein Mann fand das sogar amüsant – also die Turbulenzen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass derartige Turbulenzen für diese Jahreszeit in dieser Region der USA nicht unüblich sind und quasi regelmäßig vorkommen können.

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Moni’s Tipp

Und hier möchte ich direkt mal ansetzen: Die Konfrontationstherapie ist für mich die beste Therapie gewesen. Immer am Ball bleiben. Weiter machen. Man sagt ja auch, dass man nach einem Autounfall sich direkt wieder ans Steuer setzen sollte, statt vor lauter Angst das Auto fahren zu vermeiden. Auch die Einnahme von Medikamenten bringt langfristig gar nix. Ich habs mit Bachblüten und Alkohol versucht. Letzteres wäre mit Baby an Board sowieso unverantwortlich. Und es bringt nix.

Meine erste Fernreise war 2012 nach New York City. 8 Stunden Flugzeit galt es zu bewältigen. Und dann auch noch über den Atlantik. Ich war sogar so ängstlich, dass ich nicht innerhalb der USA fliegen wollte, da ich das als unsicher ansah. Meine größte Hilfe war hier der Antreiber Fernweh und mein Mann. Ohne meinen Mann wäre ich eh niemals in ein Flugzeug gestiegen.
Der Flug war am Ende wirklich easy. Es war wirklich alles ruhig und in Ordnung. Sogar der Innlandsflug von NYC nach Miami war gut.
Dennoch blieb meine Flugangst. Der Antreiber Fernweh blieb aber auch.

Erste Schritte im Kampf gegen die Flugangst

Das war der Zeitpunkt, wo ich begann aktiv gegen die Angst zu arbeiten. Zufällig fiel mir eine Autobiografie einer Stewardess in die Hände. Sie ist selber Flugbegleiterin bei einer ehemals großen deutschen Fluggesellschaft gewesen und berichtet über 20 Jahre Fliegererfahrung mit “ im wahrsten Sinne des Wortes“ allen Höhen und Tiefen.
Ich habe durch das Buch erstmals erfahren, wieviel ein Flugzeug wirklich aushält und welche Widrigkeiten es bekämpfen kann.

Auf Facebook habe ich die Autorin angeschrieben und sie hat mir alle meine Ängste mit logischen Erklärungen und vollstem Verständnis versucht zu nehmen. Auf einer Skala von 1 bis 10 hat sie mir zu 6 Punkten gut helfen können.
Aber Flugangst ist sehr oft was Emotionales und nichts Rationales. Einem Flugängstigen bringt es nix den allzeit oft gut gemeinten Satz zu hören: “ Der Weg zum Flughafen mit dem Auto ist gefährlicher als der Flug selber“.

Flugangst Erfahrungen einer Mutter
Flugangst Erfahrungen einer Mutter © Delia Wings

Hypnose und Flugangst-Seminar

Also versuchte ich es mit Hypnose. Mehrmals. Mir brachte es leider nix. Vielleicht war ich auch einfach nicht empfänglich dafür. Ich denke, es ist schon einen Versuch wert, um Angst jeglicher Art zu besiegen. Falls du darüber nachdenkst, versuch es ruhig. Denn erst dann wirst du wissen, ob es dich weiterbringen wird. Ich kenne sehr wohl Leute, die ihre Probleme damit aufgearbeitet haben zb. bei Raucherentwöhnung.

Der nächste Versuch gegen meine Flugangst zu arbeiten, flog mir wieder in die Hände: Ein Flugangstseminar! Über Facebook sah ich einen Post von Kathrin. Sie suchte Leute die das Flugangstseminar von Ihrem Mann und dessen Partner ( Ihr Mann ist Pilot) in der Pilotphase testen wollen.

Das Seminar fand in Münster statt und ich fand es wirklich sehr gut. Der Teil mit dem Psychologen war weniger gut. Mir bringt es wirklich nichts zu hinterfragen „warum habe ich Angst?“ Woher kommt die Angst ?“ usw. Aber der praktische Teil war super hilfreich. Der Pilot zeigte zum Beispiel Videos mit „kritischen“ Situationen. Flugzeug wird vom Blitz getroffen, Flugzeug macht eine Notlandung, Feuer an Bord, Turbulenzen, die so schlimm sind, dass das Essen an die Decke fliegt usw. Er erklärte dazu, was das Flugpersonal dann macht und was im Cockpit passiert. Welche Sicherungssysteme greifen und warum dennoch alles sicher ist für die Passagiere.

Als nächstes spielte er Geräusche aus der Kabine ab, die wir deuten sollten. Nicht einmal bin ich wegen irgendeinem GONG im Flugzeug zusammen geschreckt immer mit der Frage im Hinterkopf “ ist das normal?“. Danach war diesbezüglich wirklich Ruhe!

Außerdem besprachen wir auch bekannte Flugunfälle zb den Flugzeugabsturz der Air France am 01.06.2009 von Rio de Janeiro nach Paris. Er erklärte uns völlig verständlich und schlüssig was da laut Gutachten der Experten nach Auswertung der Blackbox schiefgelaufen ist und was die Flugfahrt daraus gelernt hat.

Bei einem regulären Flugangstseminar gibt es eigentlich einen Abschlussflug in Begleitung eines Piloten ( also diesmal sitzt der neben dir) oder Psychologen oder so. Das gab es bei mir nicht, da ich das Seminar ja kostenlos in der Testphase besuchen durfte. Darüber bin ich immer noch sehr dankbar, denn diese Seminare kosten eigentlich ein paar hundert Euro.

Auch wenn ich am Anfang auf das emotionale gepocht habe – diesmal hat es mir echt deutlich geholfen zu wissen, dass die Flugbegleiter und die Piloten immer sehr gut für brenzlige Situationen vorbereitet sind. Das hat mir mehr Vertrauen ins Fliegen geschenkt.

Unterstützend dazu habe ich mir Bücher gegen Flugangst gekauft, die ich immer mal wieder gelesen habe, um einfach wieder das Vertrauen zu erneuern.

Vor einem knappen Jahr bin ich auf den Podcast eines Piloten gestoßen, der über das Fliegerleben erzählt. Es gibt 2 Folgen in denen es nur um Turbulenzen geht. Das stärkt mich immer wieder ungemein.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mir geholfen hat zu überlegen in welcher Situation habe ich wovor Angst und dann habe ich mir dazu Experten gesucht , die meine Angst aufgrund ihrer Erfahrungen widerlegen. Als Experten zähle ich lediglich Flugbegleiter und Piloten. Die Psychologen oder Hypnotiseure haben mir nichts gebracht.
Und als ganz entscheidender Faktor kann ich nur sagen, dass es mir geholfen hat immer wieder neu ins Flugzeug zu steigen. Der Angst quasi ins Gesicht zu schauen. Dazu half mir mein unstillbares Fernweh und mein Ehemann.

Moni betreibt den Reiseblog Reisen mit Baby und Kleinkind als auch den Mamablog Tausche Pumps gegen Schlappen. Nach dem Abitur trat sie ihren ersten Flug an und sammelte bis heute fleißig Meilen. Trotz Flugangst. Wie sie damit umgeht und was ihr hilft, könnt ihr hier nachlesen.

 

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